Die T2/T2S-Konsolidierung – Big Bang im November 2021!?

Die T2/T2S-Konsolidierung ist mit Sicherheit eines der derzeit heißesten Themen im Zahlungsverkehr. In diesem Projekt werden die zwei Systeme TARGET2 und TARGET2Securities, gemeinsam mit TIPS (Target Instant Payment Settlement) auf eine einheitliche technische Ebene gebracht, sodass am Ende des Tages jeder der drei Services über den gleichen Zugang erreichbar ist – das ESMIG (Eurosystem Single Market Infrastructure Gateway).

Man hätte denken können, dass aufgrund der Größe des Projektes – denn es sind ja immerhin alle direkten TARGET2-Teilnehmer in ganz Europa betroffen – eine stufenweise Migration erfolgt, um das Risiko zu minimieren. Das ist jedoch nicht der Fall! Es gibt ein einheitliches Datum für alle und das ist, nach aktueller Planung, der 21. November 2021. Zu diesem Tag erfolgt der sogenannte Big-Bang. Bedeutet am 20. November läuft noch alles auf der alten TARGET-Welt und ab 21.November läuft alles auf der neuen Welt. Damit das auch reibungslos funktioniert, hat die europäische Zentralbank einige wesentliche Projektmeilensteine aufgestellt. Diese sind zwar gesetzlich nicht verpflichtend, jedoch wird die Erfüllung der Meilensteine von der Europäischen Zentralbank bzw. von der nationalen Notenbank kontrolliert, sodass dies eine Hilfestellung und Orientierung für das jeweilige Institut darstellt. So sind z.B. Zeitfenster zur Impact-Analyse, zur Softwareentwicklung und zum Testen eingeplant. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn eine Bank kurz vor dem Ziel bei einem so großen Projekt feststellt, dass Dinge fehlerhaft sind und die Bank nicht bereit ist zu migrieren. Die Auswirkungen wären enorm, denn einige große europäische Banken könnten dann nicht mehr am Zahlungsverkehr teilnehmen, was wiederrum fatal für den Endkunden wäre.

Mittlerweile verdichten sich die Anzeichen, dass das Migrationsdatum der T2/T2S-Konsolidierung aufgrund von Projektverzögerungen rund um COVID-19 um 12 Monate verschoben werden könnten – auf November 2022. Auf Antrieb verschiedener Bankenverbände wurde dem EZB-Rat jüngst ein entsprechender Beschluss vorgelegt. Die Entscheidung darüber fällt nun am 27. Juli. Die Projektmeilensteine werden im Anschluss an diese Entscheidung neu geordnet und voraussichtlich im September veröffentlicht.

Die Deutsche Bundesbank reagierte auf diese Entwicklung mit einem eindringlichen Appell, dass alle Projektteilnehmer trotz der vorübergebenden Terminunsicherheit an den ursprünglich geplanten Umsetzungsplänen festhalten sollen. Auf diese Weise wird das Momentum gewahrt und die Zeit zum Testen ausgedehnt. Bei solch einem großen Projekt ist dies sicherlich von Vorteil. Auch wir haben uns mit unseren Kunden auf die reibungslose Fortsetzung des Projektes verständigt und sind dabei auf viel Zuspruch seitens der Banken gestoßen.

Vor- und Nachteile der T2/T2S-Konsolidierung

Vorteile sind sicherlich zum einen die Erhöhung der Effizienz durch eine stärkere Automatisierung und die weitere Verständigung auf einen einheitlichen Nachrichtenstandard für den internationalen Zahlungsverkehr. Weitere Vorteile entstehen vorrangig für die EZB und größere Banken, da zukünftig alle TARGET-Services über ein System erreicht werden können. Weiterhin können größere Banken vom Cash-Pooling über das zukünftig einzurichtende zentrale Geldkonto (MCA) profitieren, insbesondere wenn sie viele verschiedene Konten unterhalten. Durch das neue System werden die Prozesse automatisierter und somit entfällt ein großer Zeitaufwand für viele Mitarbeiter.

Als benachteiligt könnte man hier durchaus kleinere Banken aufführen für die sich kein nennenswerter Vorteil durch das T2/T2S-Konsolidierungs-Projekt ergibt, die aber dennoch sehr viel Aufwand in die technische- und organisatorische Anpassung investieren müssen.

Wie geht van den Berg mit dem Thema um?

Zum einen betrifft die Konsolidierung das hauseigene SWIFT Service Bureau – zuständig für die Anbindung der Bankinstitute an den Network Service Provider SWIFT. Hier sind entsprechende Abstimmungen bei der Anbieterauswahl, sowie bei der Anbindung an die neuen Services zu führen. Des Weiteren muss die Umsetzung der Projektinhalte in der Zahlungsverkehrssoftware vdb/PPM vorgenommen werden. Zeitlich ist van den Berg auf einem sehr guten Weg und kann daher schon jetzt seinen Kunden die entsprechenden Funktionen zur T2/T2S-Konsolidierung zur Verfügung stellen. Diese Schnelligkeit der Funktionsauslieferung hat für alle vdb-Kunden den Vorteil, dass sie bereits frühzeitig mit dem internen Testing beginnen können.

Weiterhin erfordert die Konsolidierung einen enormen Aufwand bei der Informationsbeschaffung und Aufbereitung. Diese Arbeit nimmt van den Berg seinen Kunden ab und berät sie in allen projektrelevanten Bereichen. Gerade für kleinere Institute ist das eine sehr große Erleichterung. So wurden eine große Zahl von Workshops im Vorfeld mit den Mitarbeitern der betroffenen Bankinstitute durchgeführt und seitdem kontinuierlich im Projekt T2/T2S unterstützt. Sowohl die Dokumentation als auch die Bereitstellung von wichtigen Testinformationen erfolgt in diesem Fall durch van den Berg. Egal wie es kommt – ob Big Bang nach Plan oder Verschiebung des Projekts – wir sind gewappnet!

Der Autor

Christoph Stawinoga
Key Account Manager
Christoph Stawinoga verstärkt als gelernter Bankkaufmann und abgeschlossenem Studium B.Sc. seit 2018 das Team bei van den Berg. Als Zahlungsverkehrs- und TARGET2-Experte koordiniert er diverse Aktivitäten zur T2/T2S-Konsolidierung und vertritt das Unternehmen diesbezüglich bei Kundenmeetings und Veranstaltungen.
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