Request to Pay – die Zahlungsform der Zukunft?

Request to Pay (R2P) ist eine neue Zahlungsform und ist aktuell eines der Top-Zukunftsthemen im Zahlungsverkehrsmarkt. Der Zahlungsempfänger ist hier der Initiator der Zahlung und schickt dem Zahlungspflichtigen eine Nachricht (neu: pain.013).

Diese wird dann über eine Clearing Plattform transportiert. Der Zahlungsempfänger bekommt diese Zahlungsaufforderung anschließend angezeigt. Es wird verschiedene Anzeigewege geben – sinnvoll wäre hier die Darstellung im E-Banking und über eine attraktive Banking App. Der Vorgang lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Ich bestelle etwas im Internet und entscheide mich für die Zahlung mittels R2P. Beim Drücken des Bestellbuttons wird ein Pop-up bei mir erscheinen. In meiner Banking-App legitimiere ich mich zunächst, beispielsweise über Facetime. Anschließend kann ich die Zahlungsaufforderung annehmen oder ablehnen. Im Falle der Zustimmung wird die Bank dann die Zahlung veranlassen und im besten Fall eine Instant Payment generieren.

Der Einsatz von Request to Pay

Derzeit herrscht viel Diskussion zu dem Thema allgemein und auch zu den Anwendungsfällen. Zwei der meist diskutierten Use cases sind zum einen die Zahlung am Point of Sale (POS) und zum anderen im Internet.

Der Zahlungspflichtige erhält an der Kasse im Supermarkt beispielsweise mit der Zahlungsaufforderung den Kassenbon in elektronischer Form in die Banking App und stimmt der Zahlung zu. Hier gibt es allerdings noch viele ungeklärte Fragen wie z.B: Wie funktioniert die Strecke Kassenterminal zum Mobiltelefon in einer akzeptablen Zeit? Was passiert, wenn man nicht reagieren kann z.B. Handyentsperrung funktioniert nicht? Diese Anwendungsfälle sind noch etwas wage und meiner Meinung nach noch kein Top- Use-Case. Dies sehe ich eher für nicht zeitkritische Geschäfte, wie zum Beispiel in einem Möbelhaus oder beim Optiker einsetzbar, aber nicht unbedingt beim Discounter.

Ein Top-use Case, der auch der Grund für den Durchbruch sein wird sind Zahlungen im E-Commerce. Die Versandhersteller werden hiervon enorm profitieren, denn es bietet große Vorteile gegenüber der Lastschrift: sie haben zum einen keine Mandatsverwaltung und zum anderen ist R2P auch für wiederkehrende Zahlungen bzw. den Dauerbetrieb geeignet. Weiterhin ist die Kombination mit der elektronischen Rechnung ist interessant, denn für den Konsumenten entfällt die Verwaltung zahlreicher papierhafter Belege. Diese können dann im elektronischen Postfach bei der Bank aufbewahrt werden. In einem Garantiefall, wenn z.B. ein Gerät kaputt geht kann der Konsument dann auf seine zentrale Ablagestelle zurückgreifen.

Der aktuelle Stand der Umsetzung

Das EPC (European Payments Council) hat ein Scheme Rulebook erstellt und in den Umlauf gebracht. Banken und verschiedene Teilnehmer der Industrie können hier bis Ende September Rückmeldungen geben. Es ist ein relativ kompaktes Dokument mit Rechten und Pflichten der einzelnen Vertragsparteien, in dem auch bereits ein Stück weit auf Nachrichtentypen eingegangen wird. Eine finale Version soll bis Ende November erstellt werden. Eine Beschreibung der technischen Umsetzung ist ebenfalls erstellt und soll im November 2020 final sein, sodass eine Testinfrastruktur genutzt werden kann. Ob der vorgesehen Zeitplan aufgrund der aktuellen Pandemie eingehalten werden kann wird sich zeigen.

Die Vorteile von Request to Pay

Die wohl größte Herausforderung für Banken ist es R2P für den Konsumenten attraktiv zu gestalten. Gerade die Kombination mit der vorhin beschriebenen e-Rechnung ist sicherlich interessant. Zudem ist hier auch der Sicherheitsaspekt attraktiv, denn der Zugriff auf alle elektronischen Rechnungen, die dann bei der Bank „lagern“ ist über die Mehrfaktorautorisierung gesichert und so definitiv sicherer als ein E-Mail-Postfach oder ähnliches. Der Schutz vor Angreifern wird somit erhöht.

Der Aspekt der Sicherheit und des e-Postfachs wird die Hemmschwelle für den Bankkunden, seine Hausbank zu wechseln, erhöhen. Zudem ist das Ganze Verfahren von R2P ein deutlich smarterer Prozess als die klassische Lastschrift. Es ist weniger fehleranfällig, durch die Datenübermittlung, die vom Zahlungsempfänger initiiert wird, steigt die Sicherheit und es sind keine Zahlungsdienstleister für den Kunden sichtbar.

Wie geht van den Berg mit dem Thema um?

Für uns ist es extrem wichtig zu allen Themen „up to date“ zu sein, um diese Infos auch an unsere Kunden weiterzugeben – so auch bei dem Thema R2P.

Wir haben das Thema in Expertenrunden und Netzwerken verfolgt und uns eingebracht. Seit die EBA und das EPC sich dem Thema angenommen haben, steigt die Aufmerksamkeit hier extrem. Der Handel pusht das Ganze enorm. Das Thema ist überall im Munde und wir sehen viele Vorteile gegenüber von Lastschrifteinzügen. Zum einen analysieren wir das Thema intensiv: was sind die Marktchancen? Was sind unsere Einflüsse? Wie sieht R2P in der Zukunft aus? Wie wirkt es sich auf unsere Software bzw. unser Zahlungsverkehrssystem vdb/PPM aus? Wie werden wir uns dahingehend aufstellen? – Das sind alles Fragen, die wir bereits analysiert haben. Zum anderen setzt sich unsere eigene Entwicklung bereits mit dem Thema auseinander und schaut sich bereits die technische Dokumentation an, sodass wir bereits zeitnah die neuen Nachrichtentypen wie den pain.013 verarbeiten können werden.

R2P- eher ein Flop oder ein Durchbruch?

Anfangs war ich eher skeptisch und dachte es wird eher ein Flop. Ich dachte man würde unheimlich viel Energie reinstecken und es bekommt letztendlich keine Akzeptanz und das Projekt scheitert. Mittlerweile hat sich meine Meinung extrem geändert. Wenn man mitbekommt wie der Handel bzw. die Industrie das Ganze aufnimmt und vorantreibt, ist das schon enorm. Die Vorteile sind riesig, gerade mit der zuvor angesprochenen Kombination der elektronischen Rechnung.  Für Internetanbieter, die zum Teil 3-5 verschiedene Zahlverfahren anbieten ist es eine smarte Geschichte. Außerdem sind keine Rücklastschriften möglich, sodass hier besser kalkuliert werden kann. Sicherheit ist hier ein ebenfalls sehr gutes Argument. Seit EPC, EBA, EBICS und weitere Organisationen sich damit beschäftigen wird die Initiative extrem vorangetrieben und die Banken sehen es als Chance und Notwendigkeit hier mit zu spielen. In den letzten Monaten hat das Thema daher einen ganz anderen Charakter bekommen.

Für alle Beteiligten ist Request to Pay durchaus eine Smarte Lösung – also eher Durchbruch als Flop!

Der Autor

Stephan Wolfgarten
Managing Consultant
Stephan Wolfgarten gehört seit September 2019 zum Team von van den Berg. Als gelernter Bankkaufmann beschäftigt er sich seit mehr als 25 Jahren ausschließlich mit Themen rund um den Zahlungsverkehr, in den letzten 10 Jahren intensiv in verschiedenen Beratungshäusern. Bei van den Berg ist er im Projektmanagement und in der generischen Beratung tätig.
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