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Realisierungsskizze von Instant Payments

Die Vorlage und Hintergründe für Instant Payments

Die heutigen Bezahlverfahren basieren im Wesentlichen auf einem der folgenden drei Zahlungsinstrumente:

  • Kreditkarten
  • Überweisungen
  • Lastschriften

Aber das sind Zahlungsinstrumente, die lange vor der Einführung von Web 2.0 entstanden. Heute wird eine SEPA-Überweisung z.B. wie folgt ausgeführt

Die Überweisung wird am Montag um 16:30 Uhr initiiert. Im Rahmen eines Batch-Laufs werden die Transaktionen um 21:20 Uhr an den Clearer (z.B. den SEPA-Clearer der Deutschen Bundesbank) ausgeliefert. Am nächsten Morgen gegen 8:05 Uhr erfolgt das Settlement, also die Verrechnung zwischen den Banken. Anschließend gegen 8:15 Uhr erfolgt die Auslieferung an die Bank des Überweisungsempfängers. Über das Internet kann sich der Überweisungsempfänger über den Geldeingang informieren. Es ist auch möglich, dass er durch einen untertägigen Kontoauszug über den Geldeingang informiert wird. Am nächsten Tage erfolgt dann eine Information über den Tagesendauszug.


Die Europäische Zentralbank und die Infrastrukturanbieter haben sich auf eine Methode für das Settlement geeinigt.

Die Initiierung und das Clearing erfolgt sofort, einschließlich der Information an den Zah-lungsempfänger, das Settlement erfolgt nachgelagert über TARGET2 mit der Verrech-nungsmethode AS6. Die zur Durchführung der Verrechnung notwendige Liquidität wird hinterlegt (prefunded).


So geht der „Blue-Print for a Pan-European Instant Payment Infrastructure Solution“ (Version 1.3, 30. Juni 2015, EBA CLEARING S.A.S) auch von diesem Modell aus:

Die Schritte 2 – 5 sollen innerhalb von 1,5 Sekunden und der gesamte Vorgang innerhalb von 5 Sekunden abgewickelt werden.

Wenn Instant Payments nur eine schnelle Version der SEPA-Überweisung werden, dann können Instant Payments nicht am physischen Point of Sale und nur bedingt im Internet eingesetzt werden. Die heutige SEPA-Überweisung lässt zwei Lücken:
D: Die Rechnungsdaten, wie z.B. Betrag und Kontoverbindung müssen vom Zahlungsempfänger an den Zahler übermittelt werden, oder genauer von der Kasse bzw. vom Händlerportal an die Banking-App des Zahlers.
R: Die Bestätigung der Bank des Zahlers über die Ausführung des Zahlungsauftrags muss an den Zahlungsempfänger übertragen werden. Dabei ist zu beachten, dass zwischen der Bank des Zahlers und dem Zahlungsempfänger in der Regel keine direkten vertraglichen Beziehungen bestehen. Die Information über den Zahlungseingang durch die Bank des Zahlungsempfängers kommt zu spät.

Gelöst wird dies heute im Internet durch die Inanspruchnahme der Dienste eines Vermittlers, einem PISP (Payment Initiation Service Provider). Der Vermittler hängt sich zwischen Kunde und Händler und zwischen Kunde und Bank. Für den POS gibt es heute keine Lösung (siehe Kapitel PISP).

Instant Payments müssen also diese beiden Lücken schließen:
D: Die Übertragung der Rechnungsdaten kann direkt zwischen dem Händler-Portal bzw. der Kasse und der auf dem Smartphone installierten Instant-Payments-App z.B. mit QR-Code oder NFC erfolgen. Die Instant-Payments-App kann von der Bank A oder einem PISP zur Verfügung gestellt werden. Offene Standards würden es ermöglichen, dass jedes Händlerportal und jede Kasse mit jeder Instant-Payment-App zusammenarbeiten kann.
R: Die Bestätigung über die Ausführung des Zahlungsauftrags kann nun von der Bank des Zahlungsempfängers oder der Infrastruktur an den Zahlungsempfänger erfolgen.

EPC-Lösung

Die Workflow-Schritte:

(1) Die Bank des Zahlers empfängt einen SCTInst -Auftrag vom Zahler. Die Bank des Zahlers prüft sofort, ob alle Voraussetzungen für die Verarbeitung vorliegen und ob Deckung vorhanden ist. Nach erfolgreicher Prüfung reserviert die Bank des Zahlers sofort den Betrag auf dem Konto des Zahlers und macht diese Information dem Zahler sofort verfügbar.
Sofort bereitet die Bank des Zahlers die SCTInst -Transaktion basierend auf der SCTInst-Auftrag vor und setzt den Zeitstempel in der erzeugten SCTInst-Transaktion.

(2) Die Bank des Zahlers sendet sofort die SCTInst-Transaktions-Nachricht an die CSM der Bank des Zahlers. Durch diese Nachricht erteilt die Bank des Zahlers ihrer CSM die Autorisierung den Betrag auf ihrem Konto zu reservieren um die SCTInst-Transaktion durchzuführen. Dadurch wird das Settlement sichergestellt.
Nicht Bestandteil des Regelwerks:
Die CSM der Bank des Zahlers reserviert sofort den für das Settlement der SCTInst-Transaktion benötigten Betrag zu Lasten der Bank des Zahlers.
Die CSM der Bank des Zahlers sendet sofort die SCTInst-Transaktion an die Bank des Zahlungsempfängers.

(3) Die CSM der Bank des Zahlungsempfängers sendet sofort die SCTInst-Transaktions-Nachricht an die Bank des Zahlungsempfängers.
Für die Bank des Zahlungsempfängers besagt diese Nachricht, dass das Settlement der SCTInst-Transaktion sichergestellt ist, falls die Bank des Zahlungsempfängers die Annahme der SCTInst-Transaktion akzeptiert.
Die Bank des Zahlungsempfängers prüft, ob sie die SCTInst-Transaktion dem Empfänger-konto gutschreiben kann und führt verschiedene Validierungskontrollen durch.

(4) Die Bank des Zahlungsempfängers sendet eine Bestätigungsnachricht zu der CSM der Bank des Zahlungsempfängers um anzuzeigen, dass die Bank des Zahlungsempfän-gers
- eine SCTInst-Transaktion empfangen hat und
- in der Lage ist, die SCTInst-Transaktion auszuführen (postive Bestätigung) oder nicht (negative Bestätigung).
Die CSM der Bank des Zahlungsempfängers gibt der Bank des Zahlungsempfängers eine Rückbestätigung, dass sie die Bestätigungsnachricht erhalten hat.
Nicht Bestandteil des Regelwerks:
Basierend auf der Nachricht, die die CSM im Schritt 4 erhalten hat
- gilt im Fall einer negativen Bestätigung:
Die CSM der Bank des Zahlungsempfängers leitet die Bestätigungsnachricht an die CSM der Bank des Zahlers weiter. Die CSM der Bank des Zahlers macht die für das Settlement durchgeführte Reservierung, die zwischen den Schritten 2 und 3 durchgeführt wurde, rückgängig.
- wird im Fall einer positiven Bestätigung der Schritt I durchgeführt.


(I) Basierend auf vertrauenswürdigen technischen Vereinbarungen (z.B. technische Bestä-tigung, eine speziell hierfür konzipierte Nachricht) bestätigt die CSM der Bank des Zah-lungsempfängers der CSM der Bank des Zahlers, dass sie die Bestätigung der Bank des Zahlungsempfängers im Schritt 4 erfolgreich empfangen hat.
Die CSM der Bank des Zahlungsempfängers initiiert das endgültige Settlement-Verfahren für die entsprechende SCTInst-Transaktion mit der CSM der Bank des Zahlers.

(5) Nur dann wenn die Bank des Zahlungsempfängers die positive Bestätigung per Bestäti-gungsnachricht im Schritt 4 gesendet und die Bank des Zahlungsempfängers im Schritt 4 die Rückbestätigung erhalten hat, dass sie erfolgreich die Bestätigungsnachricht an die CSM der Bank des Zahlungsempfängers ausgeliefert hat, macht sie den Betrag für den Zahlungsempfänger sofort verfügbar.
Die Bank des Zahlungsempfängers vertraut dabei darauf, dass das Settlement für die Nachricht im Schritt 3 sichergestellt worden ist.
Die Information über den neuen verfügbaren Betrag ist dem Zahlungsempfänger sofort zugänglich zu machen.
Das bedeutet, dass der Zahlungsempfänger sofort über den Betrag im Rahmen der all-gemeinen Geschäftsbedingungen seines Kontos verfügen kann.

Nicht Bestandteil des Regelwerks:
(II) Falls mit dem Zahlungsempfänger vereinbart, kann die Bank des Zahlungsempfängers den Zahlungsempfänger darüber informieren, dass der Betrag dem Zahlungsempfänger verfügbar gemacht ist. Diese Benachrichtigung und die Ausführungszeit für eine solche Benachrichtigung ist nicht Bestandteil des Regelwerks.

(6) Die CSM der Bank des Zahlers teilt sofort der Bank des Zahlers mit, dass die SCTInst-Transaktion erfolgreich (oder nicht erfolgreich) war.
Die Basis dieser Benachrichtigung ist der Inhalt der Bestätigungsnachricht aus Schritt 4, die die CSM der Bank des Zahlers von der CSM der Bank des Zahlungsempfängers erhalten hat.

(7) Falls die Bank des Zahlers eine negative Bestätigungsnachricht für die SCTInst-Transaktion erhält, die anzeigt, dass der Betrag dem Zahlungsempfänger nicht verfügbar gemacht wurde, ist die Bank des Zahlers verpflichtet, den Zahler sofort darüber zu unterrichten. Die Reservierung des Betrags, die im Schritt 1 durchgeführt wurde, wird rückgängig gemacht.
Nicht Bestandteil des Regelwerks:
(III) Falls die Bank des Zahlers eine positive Bestätigungsnachricht für die SCTInst-Transaktion erhält, belastet sie das Zahlungskonto des Zahlers.
Falls mit dem Zahler vereinbart, informiert die Bank des Zahlers den Zahler darüber, dass der Betrag dem Zahlungsempfänger verfügbar gemacht wurde. Diese Benachrichtigung und die Ausführungszeit für eine solche Benachrichtigung ist nicht Bestandteil des Regelwerks.

Nicht Bestandteil des Regelwerks:
Nachdem eine positive Bestätigungs-Nachricht empfangen wird, ist der Betrag der SCTInst-Transaktion in das Settlement-Verfahren zwischen der Bank des Zahlers und der Bank des Zahlungsempfängers einzubeziehen und wird somit durch die CSM der Bank des Zahlungsempfängers der Bank des Zahlungsempfängers im Rahmen des Settlement-Verfahrens gutgeschrieben.

Quelle: SEPA INSTANT CREDIT TRANSFER SCHEME RULEBOOK / 2017 Version 1.0

Forderungen des Bitkom

In dem Positionspapier des Bitkom zur Instant Payments Empfehlung der Europäischen Zentralbank werden darüber hinaus folgende Forderungen gestellt:

Damit Instant Payments ein attraktives und modernes Zahlungsinstrument für die digitale Gesellschaft wird, müssen aus Sicht des Bitkom folgende wesentliche Forderungen um-gesetzt werden:

1. Ende-zu-Ende-Betrachtung vom Kunden bis zum Empfänger
Um den grundlegenden Parametern der EZB gerecht zu werden, müssen Instant Pay-ments den gesamten Zahlungsvorgang berücksichtigen:

a) Schnittstelle zwischen dem Händler/ Zahlungsempfänger und dem Kunden/Auftraggeber zur Übermittlung der Zahlungsdetails. Durch einen zu schaffenden Standard ist sicherzu-stellen, dass jedes Händlerportal/ jede Kasse mit jeder Instant Payments-Bezahl-Applikation Informationen austauschen kann. So wird aus Bitkom-Sicht sichergestellt, dass mit einer App überall bezahlt werden kann und dass der Konsument nicht unterschiedliche Bezahl-Apps vorhalten muss. Andererseits wird eine Monopolbildung verhindert, da Instant Payment-Bezahl-App sowohl von Banken als auch von Dritten (PISP = Payment Initiation Service Provider) angeboten werden können.

b) Schnittstelle zwischen dem Kunden/Auftraggeber und seiner kontoführenden Bank Bitkom fordert, dass die Anwendbarkeit der Zahlungsdienstrichtlinie 2 (PSD2) zwingend auch für Instant Payments gelten muss, sodass Instant Payments Applikationen nicht nur von der kontoführenden Bank angeboten werden kann.

c) Schnittstelle zwischen der Bank des Kunden/Auftraggeber und der Bank des Händlers /Zahlungsempfängers Das entsprechende Regelwerk für den Interbankenbereich wird zur-zeit vom EPC erarbeitet. Bitkom fordert, dass auch die Anforderungen zu a), b) und d) be-rücksichtigt werden müssen. Alternativ ist die Zuständigkeit festzulegen, wenn diese nicht in das Aufgabenfeld es EPC fallen.

d) Schnittstelle zur Übermittlung der Information, dass der Händler/Zahlungsempfänger über das Geld verfügen kann bzw. dass die Zahlung nicht ausgeführt wurde. Die Tauglichkeit für den Bezahlvorgang am physischen Point of Sale setzt voraus, dass die Instant Payment Bezahl-Applikation über die Ausführung der Zahlung informiert wird, bzw. sie sich darüber informieren kann. Das gilt sowohl für den positiven als auch für den negativen Fall.

Wenn Instant Payments diese Bedingungen erfüllen, dann wird das größte Hindernis für den Einsatz des mobilen Bezahlens, die große Marktfragmentierung mit zueinander inkompatiblen Verfahren beseitigt. Denn mit einer Instant Payment-Bezahl-App kann überall bezahlt werden. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass der Wettbewerb gestärkt wird, da Instant Payment-Bezahl-Apps sowohl von Banken als auch von Dritten ange-boten werden können.

2. Abwicklung in Near-Time Wegen des Einsatzgebietes am physischen POS müssen harte Near-Time Bedingungen erfüllt sein. Als Benchmark nennt der Handelsverband Deutschland (HDE) dass der gesamte Zahlvorgang in 15-20 Sekunden abgeschlos-sen sein muss und das die Autorisierung der Zahlung nicht länger als zwei Sekunden in Anspruch nehmen darf.

3. Offenheit für zusätzliche Services wie Anonymität oder Käuferschutz Damit Instant Payments auch in Bereichen eingesetzt werden können, die heute für die SEPA-Überweisung verschlossen sind, müssen auf Wunsch des Kunden bzw. Händlers folgende Funktionen angeboten werden:

• Anonymes Bezahlen am physischen POS, d. h. dem Händler werden die Angaben des Kunden wie Name, Anschrift und Kontodaten nicht mitgeteilt, wenn der Kunde dies nicht explizit autorisiert hat.
• Der Händler kann dem Kunden gegenüber einen Käuferschutz anbieten, der es dem z. B. Kunden erlaubt für eine begrenze Zeit die Rückabwicklung im Nachhinein zu veranlassen.

Durch Instant Payments sollen unserer Meinung nach auch zusätzliche B2B-Anwendungsfälle ermöglicht werden. Diese können z. B. Bezahlung bei Lieferung oder Durchführung der Cash-Konzentration sein.

Quelle: https://www.bitkom.org/Suche/index.jsp?search-id=searchresult_page_1501655549790


In dem Positionspapier des Bitkom zur Bundestagswahl 2017 werden politische Vorschläge zum Thema „Digitalisierung von Banking und Financial Services“ gemacht, die unter anderem folgenden Vorschlag zum Thema Instant Payments beinhalten:

„Es ist wünschenswert, dass die Deutsche Bundesbank bei Instant Payments eine Vorreiterrolle im europäischen System der Zentralbanken einnimmt. Bundesstaatliche Behörden sollten mit der allgemeinen Marktentwicklung von Instant Payments Schritt halten und könnten dazu aktiv das neue Zahlungsinstrument nutzen, z. B. für Zollzahlungen oder in Form von Auszahlungen von Leistungen durch die Bundesarbeitsagentur.“


Des Weiteren wird unter anderem folgendes Ziel definiert:

„Das deutsche Bankensystem ist Vorreiter im europäischen Raum zur Umsetzung von Echtzeit Interbankentransaktionen im Zuge der Einführung von Instant Payments. Durch die Einführung von Instant Payments (Zahlungen, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen und den überwiesenen Betrag dem Empfänger sofort verfügbar machen) wird u. a. eine Infrastruktur geschaffen, die den Bargeldeinsatz verringert, die Verbreitung des europaweiten mobilen Bezahlens beschleunigt. Gemeinsames Ziel sollte es sein, nutzerfreundliche Angebote zu schaffen und das Vertrauen in die Branche zu fördern.“