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SEPA-Lastschrift-Verfahren

Für die Lastschrift gilt ab dem 01.02.2014 nicht mehr das deutsche Einzugsermächtigungsverfahren, sondern das in dem „SEPA Core Direct Debit Scheme Rulebook“ des European Payments Council (EPC) festgelegte Verfahren.

Dieses stellt weitreichende Anforderungen und legt unter anderem die folgenden Unterschiede zum heutigen Verfahren fest.


1. Die SEPA-Lastschrift SDD (SEPA Direct Debit) ist keine Sichtlastschrift. Sie enthält deshalb den Fälligkeitstermin. Mit der Einführung des Fälligkeitstermins ergeben sich neue Prozessschritte:

a) Der Fälligkeitstermin muss dem Debitor (Zahlungspflichtigen) mitgeteilt werden. Diesen Vorgang nennt man  Pre-Notification. Die Pre-Notification enthält neben dem Fälligkeitstermin die folgenden Angaben:
- Betrag der Lastschrift
- Kreditor-ID (auch Gläubiger-ID genannt)
- Mandats-ID.
Die Pre-Notification muss 14 Kalendertage vor dem Fälligkeitstermin an den Debitor gesendet werden. Kürzere Fristen können zwischen dem Debitor und dem Kreditor (Zahlungsempfänger) vereinbart werden. Auf die Pre-Notification darf aber nicht verzichtet werden.

b) Die Pre-Notification ist an den Kontoinhaber zu versenden, der nicht in allen Fällen auch der Vertragspartner ist. Das sogenannte Oma-Enkel-Problem weist auf solche Fälle hin, da Eltern/Großeltern häufig die Kosten für ihre Kinder/Enkel übernehmen.

c) Eine Erstlastschrift muss fünf Bankarbeitstage (oder genauer fünf TARGET2-Arbeitstage) und eine Folgelastschrift zwei Bankarbeitstage vor dem Fälligkeitstermin bei der Bank des Debitors eintreffen, wobei die Laufzeiten berücksichtigt werden müssen.

2. Lastschriften dürfen nur dann zusammengefasst werden, wenn sie sich auf dasselbe Mandat beziehen. Dies kann Änderungen für den Lastschrifteinreicher bedeuten.

a) Der Betrag der eingezogenen Sammel-Lastschrift ergibt sich aus der Summe der Beträge der zusammengefassten Einzel-Lastschriften. Dieser Betrag und der Betrag der Einzel-Lastschriften muss im Rahmen der Pre-Notification vorab dem Kontoinhaber mitgeteilt werden (Pre-Notification). Ist dies nicht möglich, so ist eine Umstellung auf Einzel-Lastschriften erforderlich. Auch der kürzere Verwendungszweck (nur noch 140 Zeichen) kann zu einer Umstellung auf Einzel-Lastschriften führen.
b) Werden heute bspw. für mehrere Mitglieder einer Familie die Vereinsbeiträge von einem Konto eingezogen, so ist das im SEPA-Umfeld nicht mehr möglich. Wenn das Mitglied und der Kontoinhaber voneinander abweichen, so werden beide Parteien in das Mandat aufgenommen. Da jedes Mandat eine eindeutige Mandats-ID enthält, entstehen so für die Familie mehrere Mandate. Eine Sammel-Lastschrift ist dann nicht mehr möglich.

3. Der Lastschrift sind jene Angaben der Mandatsversion mitzugeben, die zum Fälligkeitstermin Gültigkeit besitzt. Die zum Zeitpunkt der Erstellung der Lastschrift gültige Mandatsversion kann nur dann zur Erzeugung der Lastschrift herangezogen werden, wenn sie auch noch am Fälligkeitstermin gültig ist. Die Mandatsverwaltung muss also die Handhabung jener Mandatsversionen unterstützen, die erst in der Zukunft gültig werden. Diese steht vielfach bei den heutigen Verwaltungs- und Buchhaltungssystemen nicht zur Verfügung.

4. Jede erzeugte Lastschrift ist mit der letzten gültigen Lastschrift zu vergleichen. Die Lastschrift enthält auch die Mandatsangaben. Haben sich diese seit der letzten gültigen Lastschrift geändert, dann gilt:

a) Die geänderten Mandatsangaben werden der Lastschrift mitgegeben.
b) Wenn sich eine der folgenden Mandatsangaben ändert:
- Name (Firmierung) des Kreditors
- Kreditor-ID
- Mandats-ID
- Kontoverbindung des Debitors,
so wird ein Kennzeichen gesetzt, dass eine Änderung vorliegt. Die bisher gültigen Angaben werden der Lastschrift zur Information mitgegeben.
c) Wenn sich die Bankverbindung ändert, wird aus einer Folgelastschrift eine Erstlastschrift mit der entsprechenden längeren Vorlauffrist. Ggf. wird eine erneute Pre-Notification erforderlich.
Bei der Ermittlung der letzten gültigen Lastschrift sind Rücklastschriften zu berücksichtigen.

Aufgrund des Formatwechsels ergibt sich auch eine Änderung in der Kommunikationsinfrastruktur:

5. Für XML-basierte Dateien gelten folgende Anforderungen:
a) Eine beleghafte Einreichung von SEPA-Lastschriften ist nicht möglich.
b) In der Regel wird für die Übertragung von XML-Dateien die EBICS-Infrastruktur vorausgesetzt. Für Corporates (Firmenkunden) ist FileAct, ein auf SWIFT-Infrastruktur basierendes Verfahren, eine alternative Lösung.